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Deutscher Fachjournalisten-Kongress 2009: Die Nachlese

Mein Kollege Andreas Breyer sendete mir am gestrigen Tag folgenden, wie die Laengsynt findet, sehr interessanten Artikel: Etwa 150 Teilnehmer trafen sich vergangenen Freitag zum Kongress des DFJV im Atrium der Deutschen Bank unter den Linden, laut Veranstalter etwa 30 Teilnehmer weniger als im Vorjahr. Nachfolgend einige subjektiv herausgepickte Highlights der Diskussionen.

Begonnen wurde mit den Problemen, Entwicklungen und Chancen von Freien Journalisten in Deutschland, einem durchaus vielversprechenden Thema. Hier nun einige Kernaussagen:

Nach Aussage von Prof. Dr. Michael Mayen von der L-M. Uni München geht das Thema "Grenzgänger" – gemeint sind Journalisten, die sowohl für Medien arbeiten als auch PR etwa für Unternehmen und Verbände machen – an der Realität vorbei. Journalisten könnten durchaus unterscheiden, für wen sie gerade tätig sind. Eine These, die vom Freien Journalisten Daniel Bouhs – der lieber an der Supermarktkasse stehen würde als PR-Arbeit zu machen – vehement bestritten wurde.

Mangelhaftes Selbstmarketing

Dagegen hielt Karriercoach Swenja Hofert: Unternehmerische Entscheidungen müssten nicht immer wertekonform sein und nicht jeder Auftrag muss immer nur Spaß machen. Defizite fanden die Diskutanten in einem fehlenden unternehmerischen Denken bei Freien Journalisten, aber auch bei vielen Auftraggebern, die sich nicht in die Lage der Freien hineinversetzten. Ein weiteres Defizit wurde am ewig mangelhaften Selbstmarketing der Freien festgemacht. Festgestellt wurde auch, das es gerade bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einen großen Kreis von so genannten „festen Freien“ gibt, die nicht unbedingt freiwillig selbständig sind. Die Einbindung in den Sende- und Arbeitsablauf der Anstalten suggeriert diesen Kollegen vielmehr eine Anstellung, so dass sich das Gefühl des Unternehmertums nicht etablieren kann.

Zum Thema Honorar waren sich alle einig, dass die Entgelte in den vergangenen Jahren eher gesunken sind und dies voraussichtlich anhalten wird. Lösungsvorschläge dazu waren die Mehrfachvermarktung eine Themas unter verschiedenen Blickwinkeln und die gezielte
Ablehnung von Aufträgen, wenn sie offensichtlich unwirtschaftlich sind. Auch die zunehmende Konkurrenz durch so genannte „Hobbyjournalisten“ wurde kritisch gesehen, da sie nicht vom Journalismus allein leben, somit zu deutlich geringeren Konditionen arbeiten und die Honorare drücken.

Die Diskussion darüber, wie Verleger die Qualität ihrer Zeitung retten könnten, brachte wenig bahnbrechend neue Erkenntnisse: Allgemeinbildung ist der jüngeren Generation nicht mehr so viel wert, die Verhältnisse bei den Printmedien in den USA lassen sich nicht so einfach auf deutsche Verhältnisse übertragen, die Krise ist schlimm und auch danach werden Anzeigengelder, die ins Internet abgewandert sind, nicht mehr wiederkommen. Angemahnt wurden Strukturinnovationen statt Verbesserungsinnovationen und für die Masse der Lokal- und Regionalblätter bleibt nur die kompromisslose Konzentration auf die Kernkompetenz, also eben die lokale und regionale Berichterstattung (Anmerkung: eben dies geschieht nach meiner Erfahrung oft genug nicht).

Mangelnde Ausbildung, fehlende Zeit und Mittel, der Druck schnell zu liefern: Das waren die Hauptsymptome, an denen nach Meinung der Diskutanten der nächsten Runde die oft mangelnde Recherchekompetenz von Journalisten in Deutschland krankt. Insbesondere der Umstand, dass originäre Recherche in der Ausbildung oft zu kurz kommt, wurde diskutiert, was auch Stern-Reporter Malte Arnsperger  bestätigen konnte. Frau Bunjes von der Initiative Nachrichtenaufklärung verteidigte sogar ihre Hochschule, was den leidenschaftlich
argumentierenden Kuno Haberbusch von der Initiative Netzwerk Recherche zu immer neuen Gegenreden veranlasste. Oftmals durchaus zurecht, allenfalls seine dogmatische Haltung, wonach ein Journalist vieles im Leben tun darf aber keine PR, gehörte eher in die
Diskussion vom Morgen und spiegelt nach meiner ganz persönlichen Einschätzung auch keinesfalls die Arbeitssituation der mittlerweile 10.000 DFJV-Mitglieder wider.

Das Thema "Information in der Wissensgesellschaft – alles gleich gültig?" ist ein Dauerbrenner und brachte aus meiner Sicht keinerlei neuer Einsichten.

Dagegen war das Mediengespräch mit der leidenschaftlichen Sandra Müller von der Initiative FAIR Radio für mich eines der Highlights der Veranstaltung. Anhand vieler Beispiele zeigte sie, wie es bei Radiosendern inzwischen gängige Praxis ist, die Hörer zu veräppeln:
Recherche findet oft gar nicht mehr statt, Gewinnspiele werden hinausgezögert bis genug Hörer kostenpflichtig angerufen haben, was live klingt ist tatsächlich aufgezeichnet, der Verkehrsreporter vermeldet Staus aus dem Studio mit eingespieltem Hubschraubergeräusch, um nur einige zu nennen. Der „Tutzinger Appell“ der Initiative steht zur Nachlese auf der Homepage der Initiative http://www.fair-radio.de/.

Abschließend wurde noch über die politische Berichterstattung im Superwahljahr Bilanz gezogen. Peter Limbourg, Sat1-Interviewer im Journalistenquartett des Merkel-Steinmeier-Duells, badete etwas in Selbstmitleid, da die Kanzlerin ja nur ein Duell machen wollte, die
Medien also nicht anders konnten, obwohl sie anders wollten aber es halt so machen mussten etc.. Die einen fanden die Konzentration auf die eigentliche Sache gut, allen war irgendwie klar, dass die Medien mit zwei so „technokratischen“ Spitzenkandidaten keinen Stich machen konnten und heimlich wurde hier und da der Alfa-Machisumus von Altkanzler Schröder und seinem Herausforderer Stoiber vermisst. Mich hat die Anfangsaussage von Diskussionsteilnehmerin Bascha Mika etwas irritiert, da die nicht so recht wusste, wie einige Parteien die angekündigten Steuersenkungen angesichts leerer Kassen nun umsetzen wollen. Stimmt. Hätte ja aber auch mal jemand genauer während des Wahlkampfes danach fragen können - zum Beispiel ein Medienvertreter.

Der diesjährige Fachjournalistenpreis ging and den History-Man des ZDF, Prof. Dr. Guido Knopp, dem sein Laudator drei entscheidende H-Attribute attestierte: Hirn, Herz und Hoden. Er bedankte sich unter anderem mit zwei Anektoten, die untermauerten, dass er des Preises mehr als würdig ist und eilte nach der Preisverleihung auch flugs wieder von dannen.

 

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