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Klimawandel und seine Auswirkungen

Wer hätte das gedacht: Der Sommer 2006 geht in das neue Jahr über und sorgt für Temperaturen, die noch vor Jahren, selbst für Wissenschaftler, unglaublich erschienen. Wärmeres Wasser, weniger Fische und schmelzende Pole - und jetzt?

published Deepwave Report 07

Diese Frage stellt sich gerade aktuell in allen Medien. Wissenschaftler sagen noch wärmere Temperaturen voraus und einige von ihnen gehen sogar noch weiter. Was früher von Politik und Wirtschaft abgeblockt werden konnte, ist nun nicht mehr von der Hand zu weisen. „Die Erde erwärmt sich und der Mensch hat einen großen Teil der Schuld daran“. So fasst es eine spanische Tageszeitung, die El Pais, zusammen. Die spanischen Kollegen haben Zugang zum vertrauten Bericht des UN-Klimarates (IPCC), der erst jetzt teilweise veröffentlicht wurde. Nach diesem würden die besagten Temperaturen sogar weiter ansteigen – auch wenn der Ausstoß der Treibhausgase eingestellt würde.

Seit 1850 sei die durchschnittliche Oberflächentemperatur angestiegen, wird der IPCC-Bericht zitiert. „Die Beobachtung der Ozeane, der Atmosphäre, des Schnees und des Eises zeigen kohärente Daten zur Erwärmung“. So habe sich nicht nur Luft über den terrestrischen Zonen stark erwärmt, sondern auch die Temperatur des Ozeans in großen Tiefen seit 1955 ist gestiegen.

Obwohl der Anstieg gering sei, käme ihm eine große Bedeutung zu, weil es dafür eine sehr große Energiemenge brauche. Aus Messungen der Eismassen wird geschlossen, dass deren Rückgang den Wasserspiegel der Meere schon messbar ansteigen ließ. Dabei wird vor allem deutlich, dass die Geschwindigkeit zunimmt, mit der das Eis schmilzt und somit der Wasserspiegel steigt. Die Erwärmung könne auch bei Tieren und Pflanzen festgestellt werden, die entweder in kältere Zonen ausweichen oder deren Blühverhalten sich verändert. Die Verschiebung des Weltklimas hat also nicht nur Auswirkungen auf Temperatur und Wasserspiegel! Vielmehr kommt es nun zu Kettenreaktionen, unter denen besonders Bewohner der Meere und Pole leiden. Die Artenzusammensetzung in den flachen Randmeeren der Ozeane verändert sich zunehmend. Betroffen sind auch Fischbestände. Frühere rein statistische Daten führten zu unzureichenden Aussagen. Je spezieller die Forschungen betrieben worden, umso ungenauer waren die Ergebnisse.

Ein Überlebungskünstler: Die Aalmutter (Zoarces viviparus)

Foto: Alfred-Wegener-Institut

Science Studie bringt Licht ins Dunkel.

Eine, im Wissenschaftsmagazine Science, veröffentlichte Studie(1) bringt nun Licht ins Dunkel und beleuchtet den Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und der Abnahme von Fischbeständen. Der entscheidende Faktor „die wärmebedingte Sauerstoffunterversorgung“ zeigt, dass dadurch die Bestandsdichte beeinflusst wird. Die Fische aus der Nordsee, die jahreszeitlich größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, haben eine höhere Wärmetoleranz und ein breiteres Toleranzfenster als beispielsweise Fische aus den Polarregionen. Die Aalmutter, aus der Nordsee, kann somit unter schwierigsten Bedingungen noch existieren. Versuche am Institut für Meereskunde von Waller und Kils zeigten, dass selbst bei kleinen Sauerstoffkonzentrationen, die bis zu 5% der normalen Konzentration entsprechen, ein Überleben der Aalmutter möglich ist. Daher eignete sich dieser Fisch für die Untersuchungen, des Alfred-Wegener Institutes für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, besonders gut. Ziel der Untersuchungen war es, die physiologischen Prozesse der Fische zu ermitteln, die als erstes auf Temperaturveränderungen reagieren. Die Autoren des Artikels konnten das erste mal, aus den gesammelten Daten, einen direkten Zusammenhang zwischen der wärmebedingten Sauerstoffunterversorgung (Sauerstofflimitierung) der Aalmutter und den Veränderungen in ihrer Bestandsdichte aufzeigen.

Temperaturschwankungen können außerhalb des individuellen Toleranzfensters zu Veränderungen führen.

Im Laufe der Evolution haben sich die Meerestiere auf die schweren Bedingungen im Meer eingestellt; ja sogar spezialisiert. Daher tolerieren sie nur kleine Veränderungen in Ihrem Lebensraum. Die Temperaturen in den Polarregionen verhalten sich, gegenüber Regionen rund um die Nord- und Ostsee aber extremer - nämlich konstant tief. Das Toleranzfenster der Fische ist daher begrenzter und sie können nur innerhalb des Fensters Wachstum und Fruchtbarkeit aufzeigen. Die Ergebnisse der Untersuchung am Alfred-Wegener Institut zeigen, dass die Aufnahme und Verteilung von Sauerstoff über Atmung und Blutkreislauf die Toleranz der Tiere ganz wesentlich bestimmen und nur in den begrenzten Toleranzen funktionieren. Bei einem Temperaturanstieg verschlechtert sich zuallererst die Sauerstoffversorgung, bevor andere Stressmechanismen – biochemischer Herkunft – reagieren. Nach kurzer Zeit bricht die Sauerstoffversorgung ab und der Organismus ist nur noch befristet lebensfähig.


Existenzen sind nicht nur unter Wasser bedroht.

Der Spiegel hat, in der Online-Ausgabe 26/27.12.2006 den Eisbären beleuchtet und Aussagen von US Forschern aufgenommen. „Die Eisschmelze im Polarmeer könnte Eisbären zum Kannibalismus treiben“, war im Artikel zu lesen. Drei Fälle, in denen Eisbären aus Hunger andere Eisbären getötet und gefressen haben, sind bereits belegt. Der Rückgang des Eises erschwert den weißen Riesen den Zugang zu den Nahrungsressourcen und bedroht damit die Existenz der Tiere. Wer kennt nicht das Bild, wo ein Eisbär einsam und verlassen auf einer Eisscholle treibt - in der Hoffnung bald das rettende und eisige Ufer zu erreichen. Nun will ausgerechnet die US-Regierung den Eisbären auf die Liste der bedrohten Tiere setzen. Die USA werden als einer der größten CO2-Sünder betitelt. Umweltschützer sprachen von einem „Wendepunkt“. Die Entscheidung war auf eine Petition der Umweltschutzorganisationen Greenpeace, Center for Biological Diversity und Natural Resources Defense Council (NRDC) zurückgegangen. „Die Zeit der halbherzigen Maßnahmen und Verzögerungen ist vorbei“, sagte ein Sprecher des NRDC.

Der Polar Bär (Ursus maritimus) ist stark bedroht.

Foto:
U.S. Fish and Wildlife Service

Es werden schrittweise Reaktionen folgen, wichtige Entscheidungen getroffen werden. Wahrscheinlich kommt es tatsächlich zu einem nachhaltigen Umdenken. Doch sollte eines in der Bilanz nicht fehlen. Der Nutzen dieses Unterfangen, wird auf Jahrzehnte nicht sichtbar sein und dennoch weiter fortgeführt werden müssen.

Anmerkung

(1) Pörtner, H.O. und R. Knust (5. Januar 2007) "Climate change affects marine fishes through the oxygen limitation of thermal tolerance" Science 315 (5808), 95-97. dx.doi.org/10.1126/science.1135471

 

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