Der Bau von Windparks an neuen Standorten in Deutschland sowie offshore auf hoher See und das Repowering, also der Ersatz alter, kleiner Windenergieanlagen durch moderne, sind die Säulen der künftigen Entwicklung der Windpark-Projektierer in Deutschland. "Wir benötigen alle drei Säulen und können das nur sichern, wenn eine Anpassung der Rahmenbedingungen an internationale Standards erfolgt, damit Windpark-Projekte an Land, auf hoher See und im Repowering ökonomisch und ökologisch sinnvoll projektiert und betrieben werden können", erklärt der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke e.V. (WVW), Dr. Wolfgang von Geldern.
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Die Energiekonzerne machen ordentlich Wind. Es stürmt nahezu an der Front der Erneuerbaren Energie. Die Planung für jeden einzelnen – dieser so genannten Wind - oder Offshore Parks – geht nun in die entscheidene Phase. 33 solcher Windliebhaber sollen als Windkraftpark - das können bis zu 100 Windkrafträder sein - den Strom für das Notebook oder die Kaffeemaschine liefern. Geplant sind 27 Anlagen in der Nord- und 6 Parks in der Ostsee.
Umweltschützer blasen zur Vorsicht
Aber kommt damit auch die schon am Land bekannte Vogelwanderung unter die (Windkraft) Räder? Eine Frage, die sich gerade Wissenschaftler auf der Insel Helgoland stellen. Unter der Leitung von Onno Hüppop, Experte für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft, suchen seine Mitarbeiter der ansässigen Vogelwarte auf Helgoland nach möglichen Konfliktpunkten: „Denn: von den Windkraftanlagen an Land weiß man nämlich, dass Zugvögel sich an den Wind-Riesen stören immer mal wieder hängen bleiben und veränden“, so der Experte. Genau hier setzt Dr. Hüppop an: “Die Vögel ziehen meist bei Nacht, um dann am Tag wieder Energie zu tanken. Sie orientieren sich am Sternenhimmel und nutzen die nächtliche Dunkelkammer natürlich auch, um Greifvögel die Jagd zu erschweren."
Landvögel können keine Zwischenlandung einlegen
Ein anderes Problem, was beispielsweise die Offshore-Anlagen betrifft, sind die Landvögel. „Diese haben ein ähnliches Verhalten, wie es auch bei Menschen zu beobachten ist. Die Landvögel lassen sich allzu leicht durch die Lichter anlocken – wie auch der Mensch. Denn in einem Tunnel wird dieser immer dem Licht entgegengehen und sich nicht vom Licht entfernen“, beschreibt Biologe Hüppop weiter. Da aber die Rotoren mit Dauerleuchten bestückt sind und die Vögel deren Licht als Haus, oder buchstäblich als „Land in Sicht“ interpretieren, kommt es dann zur tödlichen Kollisions-Rast. „Man muss halt wissen, dass Landvögel gegenüber ihren gefiederten Freunden, den Wasservögeln, keine Rast auf der Wasseroberfläche einlegen können“, erklärt Hüppop etwas sakastisch.
Entwicklung der Offshore-Windenergie am Scheideweg
Hüppüp und Kollegen sind sich sicher: Die Erneuerbaren Energien werden Früchte tragen. Da aber die Forschungsergebnisse keine speziellen Lösungen anbieten werden, müssen beide Parteien, die Energieanbieter und die Umweltschützer, an einem Mittelweg arbeiten. Einen forschen Schritt wagt nun der WVW. Dieser fordert die Streichung der Degression von Vergütungssätzen und den Abbau bürokratischer Hemmnisse wie Höhen- und Abstandsbegrenzungen für neue Windparks an Land und für Repowering-Projekte.
Die Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland steht an einem Scheideweg. Andere europäische Länder wie Spanien, Frankreich und Großbritannien unternehmen große Anstrengungen, um ihre energie- und industriepolitisch motivierten ehrgeizigen Ausbaupläne für Offshore-Windkraftanlagen zu verwirklichen. Angesichts noch knapper Ressourcen an Windkraftanlagen, Fundamenten, Kabeln, Installationsequipment sowie Logistik herrscht ein scharfer Wettbewerb der Standorte. Die Investoren setzen ihr Geld dort ein, wo die Rahmenbedingungen das geringste Risiko bieten und die Rendite am erfolgversprechendsten ist.
Mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes im Oktober 2006 sind die Offshore-Windparkprojekte anderen Kraftwerken gleich gestellt und von den Netzbauinvestitionen entlastet worden. Das hat der Offshore-Windkraftbranche wichtige neue Impulse für Investitionsentscheidungen zum Aufbau von Multimegawattturbinen im Küstenraum und für die Entwicklung von Hafeninfrastrukturen und –flächen gegeben.
Aber im Vergleich zu anderen europäischen Standorten haben sich die ökonomischen Rahmenbedingungen in den letzten Monaten leider weiter nachteilig entwickelt. Ohne eine maßgebliche Verbesserung der Rahmenbedingungen werden die potentiellen Investoren an Deutschland vorbeigehen. "Dann ist ein langjähriger Stillstand in der Entwicklung der Offshore-Windenergie zu befürchten", so der WVW.
Riesiges Potential für die Windenergie / China auf dem Vormarsch
Nach einem Report des Journal of Geophysical Research gibt es weltweit ein Potential von 72 Millionen Gigawatt Windenergie, das entspricht dem fünffachen globalen Energieverbrauch von 2002. China, heute bereits führend in der Verbreitung von solarthermischen Systemen, könnte schon bald eine Führungsrolle in der Windenergie einnehmen, die derzeit noch Deutschland besitzt. Diese starke Position Chinas drückt schon jetzt deutlich auf die Preise von Windkraftanlagen, die tendenziell immer größer und immer häufiger auf See (offshore) errichtet werden. Der Erhalt der Umwelt gerade im Hinblick auf die Klimaveränderung durch anthropogenes Kohlendioxid und die Standardisierung der Systeme, Anlagen und Komponenten der erneuerbaren Energien sind eng miteinander verzahnt.
Es bleibt also abzuwarten, wie sich Energie teuer und dazu umweltfreundlich verkaufen lässt. Umweltschützer werden weiterhin gute Argumente und Forschungsergebnisse vorlegen, die wiederum die Energiekonzerne und die Windkraftpark-Anbieter dazu bewegen muss, vielleicht einen Gang zurückzuschrauben um so anderen Alternativen eine Chance zu geben. Die bestehenden Anlagen müssen zum einen entlastet werden und zum anderen wird man mit den Windparks keine flächendeckende Strombedarfslösung stellen.
Sie dazu auch: Erneuerbare Energie zahlt sich aus .


